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Nr. 15/16 | Herbst 2004

eltern werden

Editorial

Die Menschen in Deutschland wollen, dass seriöse Methoden der besonderen Therapierichtungen wie Naturheilkunde, Homöopathie und anthroposophi-
sche Medizin auch künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Sie wollen eine in diesem Sinn ganzheitliche Medizin, die die Grabenkämpfe zwischen sogenannter Schulmedizin und „Alternativ-
medizin“ zum Wohle der Patienten überwindet. Das zeigt auch eine Befragung von Prof. Dr. Franz Porszolt, Ulm, die erst kürzlich wieder bestätigte, was das gewiss unparteiische Institut Allensbach schon des öfteren herausfand: Mehr als 70% der Patienten, die sich sechs Monate lang mit un-
konventionellen Therapieverfahren ergänzend behandeln ließen, fühlten sich danach beschwerde-
frei oder deutlich gebessert. Aber: 61 Prozent mussten die Kosten dafür selber übernehmen, weil die Kassen nicht dafür einstanden.

Die anthroposophischen Ärzte und Krankenhäuser setzen deshalb auf ein neues, zukunftsweisendes Reformprojekt, das diesem Patientenwillen Rechnung trägt: die integrierte Versorgung. Sie wollen ausloten, ob nicht für alle Beteiligten größere Freiräume entstehen, wenn jeder bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen – auf Seiten der Krankenhäuser, Ärzte und Therapeuten ebenso wie auf Seiten der Patienten und Kassen. In der Techniker-Krankenkasse wurde dafür ein erster kooperativer Partner gefunden. Grundgedanke ist: Versicherte wählen einen Verbund von Ärzten, Krankenhäusern und anderen Heilberufen, die sich im Netzwerk Ganzheitsmedizin, zusammengeschlos-
sen haben. Von diesem Verbund wollen sie sich künftig im Krankheitsfall versorgen lassen bzw. präventions- und gesundheitsfördernde Projekte wahrnehmen. Die Krankenkasse honoriert das mit einem festen, vorher vereinbarten Betrag. Sie bezahlt also nicht erst dann, wenn jemand krank geworden ist, sondern sie stellt einen Gesamtbetrag zur Verfügung, mit dem alles abgedeckt wird: die Behandlung im Krankheitsfall ebenso wie die Prävention oder die Gesunderhaltung – ganz nach dem Prinzip der alten chinesischen Ärzte, die dafür honoriert wurden, dass es ihnen gelang, ihre Patienten gesund zu erhalten.

Im deutschen Gesundheitswesen ist diese chinesi-
sche Tradition heute noch eine Vision. Das Netzwerk Ganzheitsmedizin hat sich aber auf den Weg gemacht, diese Vision zu verwirklichen. Die ersten Ansätze dafür stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe von medizin individuell vor, als Kooperation der Gemeinschaftskrankenhäuser Filderklinik (Stuttgart), Havelhöhe (Berlin) und Herdecke. Den Anfang macht die Geburtshilfe, die Behandlung von Depressionen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden in wenigen Monaten folgen.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses
Herdecke