Zur Startseite...

Nr. 17 | Winter 2004

schwer mut

Wege aus der Depression

Editorial

„Wenn man sieht, wie viel Energie, Stärke und Vorstellungsvermögen man bei Depressiven finden kann, lernt man neben den Schrecken dieser Krankheit auch die Vielfalt des Menschseins kennen… Inmitten des Wirrwarrs des alltäglichen Lebens ist kaum Platz für diese Stimmen. Dieses Buch soll ihnen Gehör verschaffen, es soll den Geschichten dieser Menschen Raum geben, damit diese anderen helfen können.“

Dieses Zitat aus dem Buch „Saturns Schatten“ von Andrew Solomon (siehe Seite 22) kann als Motto über dieser Ausgabe von Medizin Individuell stehen. In unseren Artikeln stehen dieses Mal die lebens-
geschichtlich bedingten Depressionen im Mittelpunkt. Sie werden vielen persönlichen Schicksalen begegnen, die naturgemäß nur ausschnittweise porträtiert werden können.

Darüber hinaus wollen wir Ihnen die Vielfalt der therapeutischen Hilfen vorstellen, mit denen eine anthroposophisch erweiterte Medizin versucht, Menschen mit Depressionen auf ihrem Weg durch den Tunnel der Krankheit zu begleiten und ihr Leiden zu lindern.

Depressionen können in den verschiedensten Schweregraden auftreten. Insbesondere die schwereren Formen sind im engeren Sinne heute kaum oder gar nicht heilbar. Der Betroffene muss lernen, damit zu leben. Dafür kann die anthropo-
sophische Medizin allerdings eine Fülle von Möglichkeiten anbieten, die den ganzen Menschen ansprechen und seiner Individualität Rechnung tragen.

Das Fachgespräch mit den leitenden Ärzten dreier anthroposophischer Kliniken (Seite 3-6) zeigt auch, wie sie dabei auf den Erkenntnissen der modernen Medizin und Psychotherapien aufbauen.

Menschen mit Depressionen werden heute ganz überwiegend in der hausärztlichen Praxis und dort vor allem mit Psychopharmaka behandelt, vorausgesetzt ihre Depression, die sich oft hinter körperlichen Symptomen verbirgt, wird überhaupt erkannt. Im Projekt „Netzwerk Ganzheitsmedizin“ wird ein integrativer Weg in der Versorgung eingeschlagen, der die fachärztliche Kompetenz stärker an die hausärztliche Praxis anbindet.

In der Tagesklinik Witten (Seite 18-19) werden mit der teilstationären Versorgung neue Wege gegangen, um dem Bedürfnis vieler Patienten Rechnung zu tragen, im privaten und sozialen Umfeld mit seinen gewohnten Strukturen bleiben zu können und dennoch in einem qualifizierten therapeutischen Milieu Hilfe zu finden. Damit verliert auch die Behandlung von Depressionen ein Stück von ihrer Stigmatisierung. Und das ist gut so.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses
Herdecke

Hier können Sie das komplette Magazin „schwer mut“ als Acrobat PDF herunterladen.