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Nr. 20 | Herbst 2005

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Neue Herausforderungen in der Medizin

Editorial

„Wir erfüllen keine Wünsche, wir übernehmen Verantwortung.“ Was würden Sie sagen, wenn Sie demnächst im Wartezimmer Ihres Arztes auf ein Plakat mit dieser Botschaft stoßen? Wollen wir denn, dass ein Arzt unsere Wünsche erfüllt? Vielleicht müssten wir überlegen, was wir selber tun können, wo wir uns von andern Menschen helfen lassen können, und was wir mit Recht, weil wir selber dafür zu krank sind und weil dafür die besondere professionelle Kompetenz des Arztes erforderlich
ist, in seine Verantwortung übergeben können.

Klaus Dörner, den Annette Bopp in dieser Ausgabe interviewt, hat den Ärzten empfohlen, ein solches Plakat aufzuhängen. Aus seiner lebenslangen Erfahrung als Psychiater schreibt er den professio-
nellen Helfern ins Stammbuch, endlich mit der Medizin als Beziehungsmedizin Ernst zu machen. Ein Teil der Überprofessionalisierung der Hilfeleistung müsse auf die Schultern der Bürger zurückverlagert werden, damit wir aus der Kostenfalle im Gesund-
heitswesen wieder herausfinden. Unsere Redaktion hat sich von Klaus Dörners Thesen anregen lassen und ist im Umfeld der anthroposophischen Kranken-
häuser auf die Suche gegangen. Wo lassen sich Ansätze finden, die mit der Unterstützung der Eigenaktivität und Selbstverantwortung der Patienten und ihrer Angehörigen Ernst machen?

In Herdecke bereiten Marly Joosten und ihre Mit-arbeiter in der „Brücke“ Angehörige darauf vor, wie sie einen hilfe- oder pflegebedürftigen Patienten nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause betreuen können. Monica Bissegger, Musik-therapeutin an der Filderklinik, spinnt mithilfe der Musik einen „Faden der Verbundenheit“, der es Patienten auf der Intensivstation ermöglicht, auf einen zarten Ruf zu antworten – ein Gespräch ohne Worte. Im Christophorus-Hospiz auf der Havelhöhe in Berlin erzählen Anja Girke und ihre Kollegen von der Bedeutung des Berührt-Werdens, das Menschen, die sich auf das Sterben vorbereiten, hilft, die Angst zu verlieren. Aniela Bockemühl, Heilpädagogin in der kinderpsychiatrischen Tagesklinik in Herdecke, versucht, Eltern und Lehrer in Hagener Schulen unabhängiger von medizinischer Hilfe zu machen, indem sie ihnen Handwerkszeug vermittelt, mit dem sie eingefahrene Gewohnheiten durchbrechen und die eigene Motivation stärken können, nach dem Motto: „Was muss ich bei mir ändern, damit das schwierige Kind sich verändern kann?“ Christof Schnürer findet in einer als unzähmbares Unkraut geschmähten Pflanze ein mögliches Heilmittel für die schwer zu zähmenden Krankheiten unserer Zeit, gegen Allergien und Asthma – ein alter, neuer Weg der Kommunikation zwischen Medizin und Natur.

Klaus Dörner hat Recht: das Umdenken hat schon begonnen. Lassen Sie uns überall nach Bundes-
genossen suchen, die im gleichen Geiste unterwegs sind.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses
Herdecke

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