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Nr. 23/24 | Sommer 2006

trauma

Tiefgreifende Wunden heilen

Editorial

Ein seelisches Trauma, das ist „eine Erfahrung extremer Bedrohung, verbunden mit dem Gefühl von absoluter Hilflosigkeit und Ohnmacht“. Es ist „ein jahrelanger kontinuierlicher innerer Alarm-
zustand“ – so beschreiben es die Experten.

In dieser Ausgabe von medizin individuell muten
wir Ihnen einiges zu. Wir stellen Ihnen Menschen
mit schweren Schicksalen vor.

Da sind zwei Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend absichtlich gequält worden sind. Von Mutter und Vater. Von einem Mann. Das hat seelische Wunden geschlagen, die nur schwer wieder heilen.

Und da ist eine Frau, die mit 16 Jahren aufgrund eines Verkehrsunfalls eine Querschnittslähmung davontrug.

Wie alle drei diese erlittenen Traumata bewältigt haben, wie aus diesem Prozess sogar neuer Lebensmut erwachsen konnte, zeigen diese Beispiele auf eindrückliche Art und Weise.

In diesem Sinne wollen wir Ihnen mit dieser Ausgabe von medizin individuell auch Mut machen. Wir wollen Antworten geben auf Fragen wie: Welche Kräfte befähigen manche Menschen, eine trauma-
tische Erfahrung besser zu verarbeiten als andere? Wie sehen therapeutische Hilfen für jenes Viertel der Betroffenen aus – häufig die „Stillen“ unter ihnen –, die die seelische Verletzung nicht aus eigener Kraft bewältigen können?

Wie ein roter Faden ziehen sich bei den therapeu-
tischen Interventionen Begriffe wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Vertrauen, Stabilität durch unsere Berichte. Und das gilt nicht nur für die seelischen, sondern auch für die körperlichen Wunden. „Eine Wunde braucht Achtsamkeit, Zeit und Sorge“, schreibt Franz Sitzmann in der Herdecker Wundfibel über die Behandlung chronischer, schlecht heilender Wunden – zum Beispiel bei einem Druckgeschwür, einem offenen Bein oder einem diabetischen Fußsyndrom. Auch da gilt es – und das ist eine besondere Qualität der anthroposophischen Einrichtungen –, nicht nur die lokale Wunde zu behandeln, sondern den ganzen Menschen. Es gilt, nicht nur das einzelne traumatische Ereignis zu verstehen, sondern seine Bedeutung für den ganzen Lebenslauf. Dann ist es sogar möglich, an einem solchen Erlebnis zu reifen und zu wachsen.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke

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