Zur Startseite...
Nr. 25 | Fieber

Nr. 25 | Herbst 2006

fieber

heilsame wärme


Editorial

…Fieber habe ich
Von dieser
Überfülle des Lichts

Ich pflücke
Diesen Tag wie eine Frucht
Die süß und süßer wird…

Giuseppe Ungharetti
(deutsch von Ingeborg Bachmann)

Bewahren Sie bei Fieber einen kühlen Kopf! Lassen Sie sich nicht schrecken durch einen Schüttelfrost oder den Fieberkrampf eines Kindes. Ein befreiender Schweißausbruch bei kühler werdender Stirn ist in der Regel früher oder später zu erwarten. Nicht nur der Organismus, sondern auch Sie können den Umgang mit Fieber lernen. Denn Fieber stärkt das Immunsystem. Und es ist – wie der gesamte Wärmeorganismus – von grundlegender Bedeutung für den Menschen, wie das Gespäch mit dem Internisten Dr. Matthias Girke (Havelhöhe) und dem Kinderarzt Dr. Christoph Tautz (Herdecke) veranschaulicht.

Fieber spielt bei Kindern eine besondere Rolle. „Wer sich bei der Krankheitsbehandlung an der Entwicklung des Kindes orientiert, wird das wahllose Verabreichen fiebersenkender Zäpfchen ebenso ablehnen wie deren prinzipielles Vermeiden“, heißt es in der bewährten „Kindersprechstunde“ von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler. „Während das eine Kind Temperaturerhöhung ‚braucht‘, um seine Stoffwechseltätigkeit zu steigern und an seiner körperlichen Verfassung ‚arbeiten‘ zu können, muss bei einem anderen Kind verhindert werden, dass es durch eine überschießende Fieberreaktion zu sehr geschwächt wird.“

Ein solcher Umgang mit Fieber – beobachtend, begleitend, lernend und dadurch sicherer werdend – hat positive Folgen: Die große epidemiologische Studie von Göran Pershagen (Karolinska Institut, Stockholm) an Waldorfschülern in fünf europäischen Ländern hat gezeigt, dass ein zurückhaltender Umgang mit fiebersenkenden Mitteln das Risiko mindert, kindliches Asthma oder ein atopisches Ekzem zu entwickeln (siehe Seite 8). Fieber hilft unserer körpereigenen Abwehr zu ‚lernen‘ und kann sogar dazu beitragen, Krebs zu vermeiden (siehe Seite 7).

Aber nicht nur die Hitze des Fiebers, sondern den ganzen Wärmeorganismus des Menschen wollen wir Ihnen diesmal nahe bringen. Begleiten Sie uns zu Wärmeanwendungen in der Pflege, in der Tumortherapie und sogar im Operationssaal. Immer wieder ist uns aufgefallen, wie individuell die Wärmereagibilität des Menschen ist und wie eng sie mit den Rhythmen und dem Lebenslauf des Menschen zusammenhängt. Darin ist der Wärmeorganismus direkt der Immunantwort des Menschen verwandt. Dies zu beachten, gehört zu einer Heilkunst, die den ganzen Menschen einbezieht und die an unseren Häusern gepflegt wird.

Herzlich, Ihr Peter Zimmermann
Vorstand des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.