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Nr. 33 | Chirurgie

Nr. 33 | Winter 2008/2009

chirurgie

Ehrfurcht vor dem Leben

Editorial

Wer sich mit den Fortschritten der modernen Chirurgie beschäftigt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Immer präzisere bildgebende Verfahren ermöglichen vor und während der Operation auch dort genaue Beobachtungen und Diagnosen, wo das menschliche Auge nicht hinreicht. Teleradiologie überträgt diese Bilder online. Der Zugang über die natürlichen Körperöffnungen oder kleinste Schnitte ermöglicht nicht nur den Blick ins Körperinnere sondern dank immer feinerer OP-Instrumente auch den chirurgischen Eingriff, kontrolliert über Bildschirm oder Mikroskop. All dies reduziert die Belastung des Organismus durch die Operation und erleichtert die Rekonvaleszenz danach. Technik also, die das Handwerk des Chirurgen wesentlich erweitert.

Aber: „Je mehr Technik die Medizin dominiert, desto mehr Mensch ist nötig“ – die Musiktherapeutin Monica Bissegger bringt es auf den Punkt: Technik allein genügt nicht. Menschen operieren Menschen, Operateur und Patient begegnen einander in einem nicht selten lebensentscheidenden Vorgang. Eine Schicksalsbegegnung, in der es sowohl auf die menschlichen, vor allem aber auf die handwerklichen Qualitäten des Chirurgen ankommt.

Jedes Handwerk, auch das chirurgische, bedarf der Erfahrung, und so nimmt die Spezialisierung auch in den operativen Fächern immer weiter zu, in der klassischen Bauch-, Thorax-, Herz- und Neurochirurgie ebenso wie in der Frauenheilkunde oder Urologie. Die modernen Techniken erfordern eine spezifische Übung durch den Operateur, geschultes Wahrnehmungsvermögen, räumliche Vorstellungsgabe und ausgeprägte Feinmotorik. Zur Kunst des Operateurs gehört aber auch das Urteilsvermögen, wann eine Operation wirklich angezeigt ist und wann es besser ist, das Skalpell ruhen zu lassen. Es gilt, Fragen zu beantworten wie: Kann ein bestimmter Eingriff dem Patienten die Möglichkeit geben, für sein Leben noch oder wieder Freiheitsgrade dazuzugewinnen? Wie wird das Leben nach der Operation weitergehen? Welches Zusammenwirken mit anderen Ärzten, Pflegenden und Therapeuten ist erforderlich?

Antworten auf diese Fragen lassen sich nur in einer intensiven und von Vertrauen getragenen Beziehung zwischen Arzt und Patient finden. Individuelle Medizin ist deshalb auch in der Chirurgie gefragt. Wir wollen Ihnen in dieser Ausgabe von medizin individuell zeigen, wie die Chirurgen an den anthroposophischen Akutkliniken High-Tech-Chirurgie und individuelles Krankheits- und Heilungsverständnis im Sinne einer integrativen Medizinzu einer wahrhaft ganzheitlichen Medizin verbinden.

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.