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Palliativmedizin

Nr. 38 | Frühjahr 2010

palliativmedizin

entwicklung ermöglichen

Editorial

"Die zusätzliche Lebenszeit lebenswert machen", so formuliert die amerikanische Ärztin Diane Meyer das Ziel der Palliativmedizin. Je mehr die moderne Medizin das Überleben ermöglicht, desto nachdrücklicher stellt sich die Frage nach der Qualität des Lebens, auch wenn die Krankheit selbst nicht geheilt werden kann. Oft erleben Patienten, die an lebensbegrenzenden Krankheiten leiden, ein Auf und Ab ihrer Beschwerden, die auch zeitweise eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen. Eine Medizin und Pflege, die gerade diese Beschwerden in den Blick nimmt und das Leiden lindern oder begrenzen will, ist heute noch keine Selbstverständlichkeit. Sie erfordert vielmehr eine spezielle Kompetenz und das gute Zusammenspiel aller Helfer, gerade weil es auch darum geht, den Patienten ein selbstbestimmtes Leben in der häuslichen Umgebung zu erhalten, soweit und solange dies möglich ist.

Wer selbst einmal schwer krank war, weiß, was sich alles hinter dem Wort „Beschwerden lindern” verbirgt. Besonders wichtig ist meist die Schmerzbehandlung, in der die Medizin große Fortschritte gemacht hat. Aber auch zentrale Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung und Entwässerung, Wärme und Schlaf sind bei lebensbedrohlichen Krankheiten stark beeinträchtigt. Hinzu kommen der (drohende) Verlust der Mobilität oder spezielle Beschwerden wie z.B. chronisch werdende Wunden. Die Palliativmedizin, bei der Pflege, Therapeuten und Ärzte Hand in Hand arbeiten, kann bei all diesen Symptomen wesentliche Besserungen erzielen oder durch vorbeugendes Arbeiten die Einschränkungen von vornherein gering halten. Es geht also darum - am besten von der Diagnose einer lebensbegrenzenden Erkrankung an - eine vorausschauende vor- und nachsorgende Behandlung und professionelle Begleitung zu veranlagen.

Wenn es gelingt, das Leiden an den Krankheitssymptomen zu lindern, so entsteht auch ein Freiraum für die seelische Auseinandersetzung mit der Krankheit und dem eigenen Leben, einschließlich der Fragen nach dem Sinn und dem Ende des Lebens. Für viele Menschen ist der Begriff der Palliativmedizin eng mit der Hospizbewegung verbunden. Historisch ist dies auch richtig. Aber es geht heute darum, die in der Hospizbewegung entwickelte Haltung gegenüber den Patienten und ihren Angehörigen in die Regelversorgung des Gesundheitssystems einzubringen.

"Entwicklung ermöglichen" - jedem dürfte einsichtig sein, dass dies als Motto jeder Hilfe am Anfang des menschlichen Lebens, also im Kindesalter, gelten kann. Dass dies gleichermaßen ein Motto für die Hilfe am Ende des Lebens sein kann, dafür will diese Ausgabe von medizin individuell Beispiele geben.

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.