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Nr. 39 | Winter 2010

darmkrebs


Editorial

Darmkrebs ist mit einem Anteil von 16 Prozent die zweithäufigste Krebserkrankung. In den letzten 30 Jahren hat die Diagnose Darmkrebs bei den Männern um ein Drittel, bei den Frauen um ein Viertel zugenommen, betroffen sind vor allem Ältere. Erfreulicherweise ist die Anzahl derjenigen, die nach der Diagnose bei guter Behandlung lange Zeit überleben, ebenfalls gewachsen. Der internationale Vergleich zeigt aber, dass es in Deutschland z. B. gegenüber den skandinavischen Ländern noch Verbesserungsbedarf gibt.

Wir haben die Frage nach Therapie-Fortschritten einer Expertenrunde aus den anthroposophischen Krankenhäusern gestellt. Die wichtigste Antwort: Um die individuell beste Therapie zu finden, müssen sich Arzt und Patient gemeinsam auf den Weg machen. Leitlinien spielen dabei, wie Christoph Rehm in seinem Beitrag anmerkt, eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger sind die Erfahrung und Intuition des Arztes und die Kompetenz des Patienten für sich selbst. Neben der Frage nach dem Überleben spielt dabei auch die Lebensqualität eine entscheidende Rolle. Um es mit den Worten des Lyrikers Robert Gernhardt zu sagen, der vor wenigen Jahren an Darmkrebs verstorben ist: Für mich war es sehr wichtig, dass die Grundpfade meines Lebensweges nicht unbegehbar wurden, denn das hätte den Verlust von Lebensqualität mit sich gebracht, die mir sehr viel bedeutet."
Wie kann man nun als Gesunder ein Verhältnis zu einer so schweren, für manchen unheimlichen Krankheit finden? Geben wir noch einmal Robert Gernhardt das Wort: "Ich schrieb die `K-Gedichte zum Thema Krebs und Krankheit, um mir etwas vor Augen zu führen und es mir gleichzeitig vom Leibe zu halten. Die kurze und strenge Form des Gedichts ermöglicht es, anders über die Krankheit zu reden, öffentlich und zugleich privat. Für mich als Patient und Schreiber war es hilfreich, und das kann es für den Leser auch sein." Ein Beispiel (Auszug):

Besser ists, den Darm zu spiegeln,
als das Leben zu besiegeln.
Klüger ists, den Krebs zu schneiden,
als das Sterben zu erleiden.
Schöner ists zu therapieren,
als Gesundheit zu verlieren.
Haarig ist die Therapie,
aber immer, kürzer lebt man ohne sie.
Das ist schlimmer.

Aus: R. Gernhardt: "Die K-Gedichte", S.Fischer (2004)


Und noch etwas in eigener Sache: Durch Krankheit und widrige Umstände hat sich die Produktion dieser Ausgabe leider stark verzögert. Dafür bitten wir vor allem unsere treuen Abonnenten um Entschuldigung. Künftig wird die erste Ausgabe im ersten Quartal des Jahres erscheinen, unsere Doppelnummer vor den Sommerferien und die vierte Ausgabe im Herbst.


Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.