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Nr. 40 | Frühjahr 2011

burnout

Editorial

"Je müder ich wurde, desto mehr trieb ich mich an." Der psychoanalytisch geschulte Therapeut und Sozialarbeiter Herbert Freudenberger erlebte zuerst an sich selbst, was er 1974 als Erster beschrieb: das "Burnout-Syndrom". Als er dann mit Kollegen, die vor allem in helfenden Berufen tätig waren, darüber sprach, "zeigte sich immer die gleiche Reaktion: sofortige Identifikation: Weiß Gott, genau so fühle ich mich. Ausgebrannt." Das Bild vom Burnout ist also offenbar intuitiv überzeugend. Aber was verbirgt sich dahinter?

Die Symptomatik betrifft den ganzen Menschen: Eine tiefe physische Erschöpfung, Schlafstörungen, Schwindel und andere körperliche Symptome gehen einher mit einem Erlahmen jeglichen Interesses, von Konzentrationsfähigkeit und Motivation sowie einer Einschränkung der Beziehungsfähigkeit. Dazu kommt häufig ein Verlust der Ideale vor allem im Beruf, für die man sich lange begeistert hat, "gebrannt" hat. Burnout ist die Folge eines schleichenden Prozesses von chronischem Stress und einem Ungleichgewicht zwischen den äußeren Anforderungen und den inneren Ressourcen.

Die Anthroposophische Medizin bemüht sich um ein ganzheitliches Verständnis des Menschen und der Entstehung von Krankheiten. Sie versucht zu erklären, wie es zu den somatischen Symptomen infolge der seelischen Überforderung kommt. Und sie entwickelt Präventionsstrategien und Therapien, die auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene ansetzen. Sie hat also auch und gerade die Vitalität des Betroffenen im Blick.

Dabei setzen Ärzte und Kliniken die Schwerpunkte durchaus unterschiedlich, wie wir Ihnen mit den Beiträgen in dieser Ausgabe zeigen wollen. Die Behandlung ist durchaus noch ein Feld der Forschung und Entwicklung. Christian Schopper schildert die Bedeutung von Psychotherapie, Biographiearbeit und äußeren Anwendungen bzw. Kunsttherapien zur seelischen Hygiene. Markus Treichler betont die Notwendigkeit, wieder Anschluss zu finden an die Kraftquellen von Kreativität und Spiritualität. Henning Elsner beschreibt den Passungsverlust zwischen dem Blick nach außen und dem Blick nach innen. Und Volker Fintelmann gibt spezifische Anregungen zum Verständnis der Lebenskräfte und der Vitalität.

Wir stellen Ihnen die multimodalen Behandlungskonzepte der Kliniken in Herdecke, Berlin-Havelhöhe, Stuttgart-Filderstadt, Lahnhöhe und Sonneneck/Badenweiler vor. Patienten schildern, wie individuell ein Burnout aussehen kann und wie unterschiedlich die Behandlung erlebt wird. Vor allem aber, wie sie Lebensfreude und Lebensmut zurückgewonnen haben.

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.