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Nr. 41 | Sommer 2011

Diabetes

Editorial

Wenn man der Statistik glauben möchte, dann ist Diabetes heute eine Volkskrankheit: etwa 7 Prozent aller Deutschen über 45 Jahre sind an Typ-2-Diabetes erkrankt, bei den über 65-Jährigen sind es sogar mehr als 17 Prozent. Die Tendenz steigt, die Dunkelziffer ist hoch. Typ-2-Diabetes, früher als „Alterszucker“ bezeichnet, betrifft heute aber mehr und mehr auch Kinder und Jugendliche. Denn vor allem Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung begünstigen diese Form der Zuckerkrankheit, die 90 Prozent der Diabetes-Fälle ausmacht, der angeborene Typ-1-Diabetes kommt weitaus seltener vor.

Es fragt sich allerdings, ob diese Zahlen tatsächlich die Realität spiegeln. Immer wieder wurden die Grenzwerte für Typ-2-Diabetes nach unten korrigiert, mit der Folge, dass immer mehr Menschen als krank gelten. Massive wirtschaftliche Interessen spielen da eine große Rolle: mit Medikamenten gegen die Zuckerkrankheit setzt die Pharma-Industrie weltweit jährlich 12 Milliarden US-Dollar um, die jährliche Zuwachsrate liegt bei 19 Prozent, ganz zu schweigen von dem Geschäft mit Blutzucker-Teststäbchen.

In Deutschland steht Typ-2-Diabetes im Zentrum der sogenannten „Chroniker-Programme“ (Disease Management Programme), die 2003 unter Ulla Schmidt bundesweit eingeführt wurden. Die Behandlung sollte sich damit deutlich verbessern, vor allem sollten Folge-Erkrankungen wie Gefäß- und Nervenschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall verhindert werden. Es ist jedoch mehr als zweifelhaft, ob das tatsächlich gelungen ist – die bisher vorliegenden Ergebnisse aus der Versorgungsforschung sind da eher enttäuschend.

Fest steht: damit aus dem Gesundheitsfonds Geld an die Krankenkasse fließen kann, und damit ein Arzt ein höheres Honorar bekommt, muss Diabetes diagnostiziert sein. Nur ein in das Programm eingeschriebener Diabetiker ist unter diesem Gesichtspunkt ein „guter“ Diabetiker. Das Bemühen, dass aus einem Risiko-Patienten gar nicht erst ein Diabetiker wird, zahlt sich weder für den Arzt aus noch für die Krankenkasse.

Wir wollen in dieser Ausgabe von medizin individuell der Frage nachgehen, wie aus einem vertieften Verständnis des Diabetes umfassende Gesichtspunkte für eine Änderung des Lebensstils und eine individuelle Behandlung gewonnen werden können. Daraus lässt sich dann auch eine bessere Vorbeugung ableiten. Denn vor allem die Veränderungen des Lebensstils sind der Schlüssel dafür, dass die Zuckerkrankheit künftig an Bedeutung verlieren wird. Dazu wollen wir Sie mit diesem Heft ermutigen.


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