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Nr. 52 | Pflege | 15. Jahrgang

pflege anthroposophisch

Editorial

Gerhard Kienle, Gründerpersönlichkeit des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke, hat den Pflegenden einmal geraten: "Stellen Sie sich den Patienten aufrecht vor." Mit einer solchen Übung kann man den Hilfsbedürftigen auf Augenhöhe heben. Und wer selbst einmal umfassend gepflegt wurde, weiß, wie hilfreich das ist einerseits ganz auf den Pflegenden angewiesen zu sein, seine Pflege zu empfangen, und andererseits eine Begegnung "auf Augenhöhe" zu erleben. Jeder Gesunde kann irgendwann in eine solche Lage kommen. Deshalb muss uns allen daran gelegen sein, dass die Pflegenden selber aufrecht stehen können und nicht von der Last der ständig zunehmenden Ökonomisierung und Bürokratisierung niedergedrückt werden.
Die Gleichung "immer weniger schlecht bezahlte Pflegende für immer mehr älter werdende Pflegebedürftige" kann nicht aufgehen. Das gilt im Krankenhaus, in der häuslichen Krankenpflege und in der stationären Altenpflege gleichermaßen. In einer vor kurzem veröffentlichten Vergleichsstudie über die Krankenhauspflege in zwölf europäischen Ländern zeigte sich, wie wichtig eine angemessene Stellenbesetzung, die gute Zusammenarbeit mit den Ärzten, die Anerkennung der Pflege und die Unterstützung durch das Pflegemanagement für eine gute Pflege, die Vorbeugung von Burnout und die Patientenzufriedenheit sind. Deutschland lag in den meisten Bereichen im unteren Drittel der europäischen Länder. Im Vergleich zu 1999 haben sich die Ergebnisse noch verschlechtert.

Es ist unter diesen Umständen nicht hoch genug zu schätzen, dass immer noch junge Menschen den Pflegeberuf ergreifen und ihre Ideale nicht verloren haben. Ihnen und allen jung gebliebenen Pflegenden wollen wir mit dieser Ausgabe von medizin individuell Mut machen und ihnen zeigen, über welche Mittel eine anthroposophisch erweiterte Pflege verfügt, um Patienten individuell so pflegen zu können, dass ihre Gesundungskräfte vielseitig unterstützt werden. Und gleichzeitig wollen wir versuchen, Antworten auf die Frage zu geben, wie man sich selbst als Pflegender aufrecht erhalten kann.

Lassen Sie uns als Bürger und potenzielle Patienten für menschenwürdige und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen kämpfen, in denen eine solche Pflege, "die gut tut", in Zukunft überall möglich ist!

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.