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Nr. 53/54 | Pädiatrie | 15. Jahrgang

kind sein dürfen

Editorial

Kindheit und Jugend vom Schuleintritt bis zur Adoleszenz gelten allgemein als die gesündeste Zeit im Leben eines Menschen. Eine große aktuelle Studie zur Kindergesundheit in Deutschland hat dies gerade wieder bestätigt: 94 Prozent der Eltern schätzen den Gesundheitszustand ihrer Kinder als sehr gut bzw. gut ein. Die größte Gefahr für die Gesundheit der Kinder stellen Unfälle dar (15,5 Prozent) sowie nicht näher bestimmte Krankheiten.

Andererseits wissen wir aus den Krankheitsgeschichten von Erwachsenen, insbesondere von chronisch Kranken, dass die meisten dieser Krankheiten ihren Ursprung genau in dieser Zeit von Kindheit bis Jugend haben. Die Entwicklung in diesem Alter ist also entscheidend für das ganze Leben und sie ist hoch störanfällig. Das Kind wächst, alle Lebenskräfte stehen ihm zur Verfügung – sie wollen allerdings harmonisiert werden.

Viele Einflüsse haben zunächst unsichtbare Folgen auf die lebenslange Gesundheit. Für uns Erwachsene, die wir die Kinder dabei begleiten, gilt es vor allem, den Blick auf die Entwicklungsbedingungen zu richten, denn dort sind wir häufig durch die Kinder aufgerufen, unsere eigenen Gewohnheiten in Frage zu stellen. Statt in unserer Leistungsgesellschaft den Kindern immer mehr zuzumuten, sollten wir als Eltern eher mehr Verantwortung übernehmen. Jedes Kind soll Kind sein dürfen, „auf Kosten seiner Eltern“, so hat es der französische Schriftsteller Jacques Lusseyran einmal ausgedrückt. Damit ist keine aufopferungsvolle Haltung gemeint, sondern ein waches Interesse und Einfühlungsvermögen in die Besonderheit jedes Kindes und seiner Erfahrungen, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen für das Kind und seinen Weg ins Leben.

Diese Ausgabe von medizin individuell will aufmerksam machen auf die Lebensbedingungen von Kindern heute und Mut machen, sich auf die Bedürfnisse der kindlichen Entwicklung einzulassen.

Hier können Sie eine Leseprobe dieser Ausgabe als Acrobat PDF herunterladen.