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Nr. 55 | Grenzen des Lebens| 15. Jahrgang

Grenzen des Lebens

Liebe Leserin, lieber Leser,
die moderne Medizin hat die technischen Möglichkeiten an den Grenzen des Lebens Geburt und Tod immer weiter vorangetrieben und damit die ethischen Fragen in voller Schärfe gestellt: Dürfen wir alles, was wir können?

Ob es um die Fragen der künstlichen Befruchtung oder der Frühdiagnostik in der Schwangerschaft geht oder um die Organtransplantation und damit die Folgen irreversiblen Hirnversagens am Lebensende, um die Lebensbedingungen bei extremen Frühgeburten oder die Möglichkeiten moderner
Sterbebegleitung immer deutlicher wird heute, dass es auf diese Fragen keine allgemeingültigen normativen Antworten gibt, sondern dass diese im Einzelfall im Rahmen einer vertrauensvollen medizinisch-therapeutischen Beziehung gefunden werden müssen.

Zweierlei können die Berichte in dieser Ausgabe von medizin individuell zeigen:
Erstens: Die Begleitung von Geburt und Tod wird auch unter den Bedingungen eines modernen Krankenhauses menschlicher, wenn man die Dynamik des Geburt- und Sterbeprozesses als Ausdruck des Wirkens einer einmaligen Individualität sieht. Eine sensible Begleitung, die sich die Erfahrung der
Realität dieser Vorgänge nicht durch Theorien und Vorstellungen verstellt, kann auf viele Phänomene aufmerksam werden, die dabei helfen, die individuell angemessenen medizinischen
Entscheidungen zu treffen.

Zweitens: Für die Vertrauensbeziehung zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen gibt es keinen Ersatz. Sie zu entwickeln braucht Zeit. Und unter den Bedingungen einer immer stärker ökonomisierten Medizin sind sie ein höchst bedrohtes Gut.

Herzlich, Ihr
Peter Zimmermann

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