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Nr. 57 | In Würde alt werden| 16. Jahrgang

In Würde alt werden

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben es in den Krankenhäusern zurzeit mit zwei gegenläufigen Tendenzen zu tun: Die meisten Menschen, die stationär behandelt werden, sind heute älter als 70 oder sogar 80 Jahre. Doch die Zeit, die für die Behandlung zur Verfügung steht, wird immer kürzer. Die immer effizientere Organisation der Abläufe im Krankenhaus kollidiert also mit den Bedürfnissen von Menschen, bei denen, weil sie älter sind, nicht mehr alles so schnell geht.

Umso wichtiger ist es daher für alle im Krankenhaus Tätigen, dass sie sensibilisiert sind, mit älteren und wie man heute sagt „hochaltrigen“ Menschen angemessen umzugehen.

Geriatrie, das medizinische Wissen um den älteren Menschen, ist ein Aspekt der Professionalität, der heute selbstverständlich gefordert ist. Nur so kann auch vermieden werden, dass ein Krankenhausaufenthalt den älteren Menschen immobiler und unselbständiger werden lässt, als er es vorher war, also letztlich mehr schadet als nützt. Brauchen wir deshalb in jedem Krankenhaus eine Abteilung für Geriatrie? Dort ist ein Spezialwissen vorhanden, das auch im hohen Alter eine Behandlung ermöglicht, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden kann, die eher auf Ressourcen als Schwächen setzt und eine frühe Rehabilitation veranlagt.

Andererseits können gar nicht so viele Abteilungen eingerichtet werden, wie es bei dem hohen Anteil an alten Patienten erforderlich wäre, und nicht jeder möchte auf so einer Station behandelt werden. Es gehört zu den Geheimnissen des menschlichen Lebenslaufs, dass wir im Alter unsere individuellen Besonderheiten noch stärker zum Ausdruck bringen und daher als Person, nicht primär als alter Mensch angesprochen werden wollen. Und so liegt die eigentliche Herausforderung der Begegnung mit dem alten Menschen auch im Krankenhaus in der Frage: Was ist der Gewinn des Alters? Welche Kräfte könnten unserer Gesellschaft und unserer Kultur zufließen, wenn wir die positiven Aspekte des Alt-geworden-Seins bewusster wahrnähmen? Auf diese Frage möchte die aktuelle Ausgabe von medizin individuell einige Antworten formulieren.

Herzlich, Ihr
Peter Zimmermann

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