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Nr. 58/59 | Klinikausgabe | 16. Jahrgang

Quo vadis, Gesundheitswesen?
Anthroposophische Kliniken:
Qualität im Interesse der Patienten

Liebe Leserin, lieber Leser,

stellen Sie sich vor, Sie wären einen Tag lang Gesundheitsminister: Was wäre das Wichtigste, das Sie an diesem Tag in die Wege leiten würden? Ich habe dieses Gedankenexperiment ein paar Mal mit verschiedenen Gesprächspartnern ausprobiert. Im Kern wollte jeder dafür sorgen, dass die Arzt-Patienten- und die Arzt-Therapeuten-Beziehung wieder im Zentrum des Gesundheitswesens steht und alles andere dem dienen muss. Genügend Zeit zu haben für das persönliche Gespräch; Vertrauen entwickeln zu können, individuell wahrgenommen zu werden (ohne Bildschirm dazwischen); durch schwierigste Stationen des Leidens begleitet zu werden; darin bestärkt zu werden, sich den Herausforderungen einer Krankheit zu stellen – all dies sind Aspekte, die die Qualität einer solchen gelingenden Beziehung ausmachen. Die Folgeerscheinungen unseres mehr und mehr merkantil ausgerichteten Gesundheitswesens stehen dem diametral gegenüber: Stress und Hetze in allen Gesundheitsberufen, ausufernde Dokumentation und Bürokratie, Formalismen und Absicherung statt persönlicher Verantwortung. Die anthroposophischen Kliniken sind denselben Bedingungen ausgesetzt wie alle Krankenhäuser. Wer hohe Ansprüche an eine Behandlung stellt, die versucht, dem ganzen Menschen individuell gerecht zu werden, und sich dabei aller Mittel der modernen Medizin und ebenso der Komplementärmedizin bedienen will, der muss besonders unter diesen Bedingungen leiden. Deshalb wollen wir in dieser Ausgabe von medizin individuell das „Dennoch“ zeigen: Was ist heute möglich trotz „immer mehr“, „immer schneller“, „mit immer weniger Ressourcen“? Jede Entwicklung der Qualität muss von der therapeutischen Beziehung ausgehen. Und sie wird umso besser gelingen, je mehr Patienten selber beschreiben, was ihnen daran wichtig ist, und je mehr sie beeinflussen können, in welche Richtung die Qualitätsentwicklung gehen soll. Machen Sie mit, fordern Sie von den Gesundheitspolitikern ein Gesundheitswesen im Sinne der Patienten!

Herzlich, Ihr
Peter Zimmermann


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