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Nr. 61-62 | Integrative Onkologie | 17. Jahrgang

Integrative Onkologie

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Diagnose „Krebs“ erschüttert jeden bis in die Grundfesten des Lebens, auch heute noch und trotz aller Fortschritte der modernen Medizin. Damit verbunden ist die Bedrohung durch eine oft unheilbare Krankheit, und wir werden uns unserer Sterblichkeit schmerzlich bewusst.

Die Suche nach der richtigen Therapie führt dann häufig in ein Dilemma: Wer das beste medizinische Wissen für sich nutzen will, ist auf den Rat vieler verschiedener Experten angewiesen. Allerdings ist ein persönliches, vertrauensvolles Verhältnis zu einem Arzt die beste Basis für all die schwierigen Entscheidungen, die im Laufe der Behandlung zu treffen sind. Es kann helfen, den Schock der Diagnose zu überwinden und neuen Lebensmut zu fassen, was wiederum die Prognose des Krankheitsverlaufs verbessern kann. Das Ideal des „guten alten Hausarztes“ entsprach diesem therapeutischen Begleiter. Aber wie ist ein solches Ideal heute in der Klinik und im Zusammenwirken zwischen Klinik und ambulanter Nachsorge zu verwirklichen?

In den Krebszentren, die von der Deutschen Krebs-Gesellschaft (DKG) zertifiziert sind, repräsentiert die interdisziplinäre Tumorkonferenz die Experten, die auf der Grundlage der Befunde eine Therapieempfehlung aussprechen. Gerhard Kienle (1923-1983), der Begründer des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke, hat dafür schon in den 1970er Jahren die Bezeichnung „Erkenntnisgemeinschaft“ geprägt und als Grundsatz formuliert, dass die Erkenntnis umso besser sein könne, je unterschiedlicher die Gesichtspunkte der Teilnehmer seien. Es geht also um eine kritische Diskussion, was im individuellen Fall die angemessene Therapie sein kann. Wenn in diese kritische Diskussion die Gesichtspunkte komplementärer Therapien einbezogen werden, kann man mit Recht von „integrativer Medizin“, im Falle der Krebsbehandlung von „integrativer Onkologie“ sprechen.

Damit aber auch die Gesichtspunkte und Werte des Patienten einbezogen werden können, braucht es eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung, innerhalb derer Pro und Contra für einen bestimmten Therapieplan abgewogen werden können. Denn letztlich entscheidet der Patient selbst, welchen Weg durch die Krankheit er einschlägt. Diese Ausgabe von medizin individuell zeigt, wie wichtig diese therapeutische Beziehung ist, und wie sie im Einzelfall gelingen kann.

Herzlich, Ihr
Peter Zimmermann


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