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Nr. 63 | Geburt und Neonatologie | 17. Jahrgang

Geburt und Neonatologie

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt wohl niemanden, der sich dem ersten Lächeln eines Säuglings entziehen kann: unwillkürlich lächeln wir mit. Und doch verbirgt sich dahinter eines der großen Geheimnisse des werdenden Menschen. Von Geburt an, und schon geprägt durch die Schwangerschaft, sucht das Neugeborene aktiv die Beziehung mit dem Gegenüber, mit dem anderen Menschen. Und unmittelbar aus dem tiefsten Gefühl heraus stellen Mutter und Vater sich darauf ein. Daraus entsteht Bindung, wie es die Wissenschaftler heute nennen.

Was aber wenn die Geburt und die ersten Tage danach im Krankenhaus stattfinden? Oder wenn es sich gar um eine Frühgeburt handelt und alle technischen Hilfsmittel der modernen Intensivmedizin erforderlich sind, um den kleinen Säugling am Leben zu erhalten? Wie kann auch unter diesen Umständen alles dafür getan werden, dass sich die Bindung entwickelt und dadurch eine sichere Grundlage für die gesamte Entwicklung des kleinen Kindes und seiner späteren Beziehungen zu anderen Menschen gelegt wird?

Unter dem Titel „Babyfreundliches Krankenhaus“ hat die Weltgesundheitsorganisation WHO gemeinsam mit UNICEF im Jahr 1991 eine Initiative gestartet, die Krankenhäuser dazu aufruft, das Stillen, die Eltern-Kind-Bindung und damit die frühkindliche Entwicklung zu fördern. Wer nach einem umfangreichen Schulungsprogramm für alle Mitarbeiter einer geburtshilflichen oder einer Kinderklinik regelmäßig bestimmte Kriterien erfüllt, erhält das Zertifikat „babyfreundlich“. In Deutschland waren es zunächst die geburtshilflichen Kliniken, die sich der Initiative anschlossen. Inzwischen gibt es 95 Häuser mit diesem Zertifikat.

Aber erst seit 2011 sind auch die ersten Kinderkliniken eingestiegen, das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke ist jetzt die fünfte Kinderklinik in Deutschland, die als „babyfreundlich“ zertifiziert wurde. Zum ersten Mal überhaupt ist es dabei gelungen, Geburtshilfe- und Kinderklinik gleichzeitig zu zertifizieren.

Eine solche Zertifizierung bedeutet, dass vieles, was auch vorher schon getan wurde, sich jetzt zu einer selbstverständlichen Haltung entwickelt hat, gewissermaßen ein gemeinsamer Geist, der durch beide Abteilungen weht. Damit wir trotz der Technik im Krankenhaus das Staunen vor jedem neugeborenen Menschen nicht verlernen.


Herzlich, Ihr
Peter Zimmermann


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